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Was ist ein Beckenschiefstand?
„Wenn das Becken nicht gerade ist, kann das den ganzen Körper aus dem Gleichgewicht bringen“, meint Andrea Tippelt, Heilpraktikerin und Yogalehrerin.
Tatsächlich bildet das Becken die Basis unseres Körpers. Ist es schief, kann das weitreichende Folgen für die Körperhaltung und den Bewegungsapparat haben. Ein Beckenschiefstand kann angeboren sein, ist aber meist erworben – oft durch Fehlhaltungen, falsche Bewegungsmuster oder muskuläre Dysbalancen. Auch Stress oder intensive sportliche Belastungen können dazu beitragen.
Typische Ursachen für einen Beckenschiefstand
- Falsche Haltung: Langes Sitzen, schiefes Stehen oder einseitige Belastungen.
- Stürze & Verletzungen: Unbemerkte Beckenschiefstellungen nach Unfällen.
- Muskelungleichgewichte: Verkürzte oder geschwächte Muskulatur beeinflusst die Beckenstellung.
- Beinlängendifferenzen: Echte (anatomische) oder funktionelle Unterschiede.
- Blockaden in der Wirbelsäule: Besonders in der Lendenwirbelsäule.
- Psychischer Stress: Verspannungen durch emotionale Anspannung.
Folgen eines Beckenschiefstands
Ein schief stehendes Becken hat oft langfristige Auswirkungen, da der Körper die Fehlstellung zu kompensieren versucht. Dadurch können Beschwerden in verschiedenen Körperbereichen auftreten.
Typische Symptome und Beschwerden
- Unterschiedliche Beinlängen → veränderter Gang
- Rückenschmerzen, Bandscheibenprobleme
- Knie-, Hüft- oder Schulterschmerzen
- Kopfschmerzen, Kiefergelenkprobleme
- Nervenreizungen (z. B. Ischias-Schmerzen)
„Viele Betroffene merken lange nichts von ihrem Beckenschiefstand, weil der Körper ihn zunächst ausgleicht. Doch mit der Zeit führt das zu Fehlbelastungen und Schmerzen“, erklärt Andrea Tippelt.
Wie reagiert die Muskulatur?
Um den Beckenschiefstand auszugleichen, passt sich die Muskulatur an:
- Eine Seite wird überdehnt, die andere verkürzt.
- Es entstehen Verspannungen und Dysbalancen.
- Besonders betroffen sind:
- Gesäßmuskulatur
- Unterer Rücken
- Piriformis-Muskel
Piriformis-Syndrom: Schmerzen durch Nervenreizung
Ein häufiges Problem ist das sogenannte Piriformis-Syndrom. Dabei drückt der tief liegende Piriformis-Muskel im Gesäßbereich auf den Ischiasnerv. Das kann zu folgenden Beschwerden führen:
- Schmerzen im Gesäß
- Ausstrahlende Schmerzen ins Bein
- Unterschied zwischen Muskel- und Nervenschmerz
„Beim Piriformis-Syndrom ist es besonders wichtig, gezielt zu dehnen und Verspannungen zu lösen, um den Druck auf den Ischiasnerv zu reduzieren“, rät Andrea Tippelt.
Behandlungsmöglichkeiten für einen Beckenschiefstand
Die gute Nachricht: Ein Beckenschiefstand kann oft korrigiert werden. Eine Kombination aus manueller Therapie, gezieltem Training und bewusstem Verhalten im Alltag ist besonders effektiv.
1. Chiropraktik & Osteopathie
- Korrektur der Beckenstellung
- Lösen von Blockaden in der Wirbelsäule
- Entlastung von Muskeln und Gelenken
2. Selbstmassage mit einer Massagepistole
„Eine gute Selbstmassage kann helfen, Verspannungen zu lösen und den Körper wieder ins Gleichgewicht zu bringen“, sagt Andrea Tippelt.
Mit einer Massagepistole kann man gezielt verspannte Muskeln im Gesäß und unteren Rücken behandeln:
- Anwendung auf Gesäßmuskulatur und unteren Rücken
- Keine direkte Anwendung auf Knochen
- Nutzung spezieller Aufsätze (z. B. Triggerpunkt-Aufsatz)
3. Partnermassage mit einer Massagepistole
- Tiefere Massage durch Metallaufsätze
- Verwendung von Arnika-Öl zur Entspannung
- Besonders wirksam bei Verspannungen im Gesäßbereich
4. Yoga & gezielte Dehnübungen
Yin Yoga eignet sich besonders gut zur Entspannung der Muskulatur. Dehnungen sollten 3–5 Minuten gehalten werden, um eine tiefgehende Wirkung zu erzielen.
Effektive Übungen:
- Liegende Rotation → Mobilisiert die Wirbelsäule
- Piriformis-Dehnung → Bein über das andere schlagen und anziehen
- Sanfte Druckausübung mit den Händen → Verstärkt die Dehnung
„Beim Yoga ist es wichtig, nicht in die Dehnung hineinzuzwingen, sondern den Körper langsam loslassen zu lassen“, empfiehlt Andrea Tippelt.
5. Richtiges Bewegungsverhalten im Alltag
- Ergonomischer Arbeitsplatz – Besonders wichtig im Homeoffice
- Bewusstes Stehen und Gehen – Einseitige Belastungen vermeiden
- Regelmäßige Bewegung – Spazierengehen, sanfte Sportarten wie Schwimmen oder Pilates
„Oft sind es kleine Veränderungen im Alltag, die langfristig den größten Unterschied machen“, betont Andrea Tippelt.
Zusammenfassung: So bekommst du dein Becken wieder ins Gleichgewicht
- Ein Beckenschiefstand entwickelt sich oft über Jahre und bleibt lange unbemerkt.
- Die Folgen reichen von Rückenschmerzen bis zu Ischias-Problemen.
- Eine frühzeitige Korrektur verhindert langfristige Schäden.
- Die Kombination aus Chiropraktik, Selbstmassage und gezieltem Training ist besonders wirkungsvoll.
- Ein bewusster Umgang mit Haltung und Bewegung sichert langfristig die Stabilität.
Tipp: Falls du anhaltende Schmerzen hast, lass dich von einem Spezialisten untersuchen.